
Es gibt diese Momente, wo man dasitzt, nachdem sie einem geschehen sind, und sich fragt:
Wie zum Teufel ist das jetzt passiert?
Neulich war so ein Moment.
Im Blauen Haus saßen Sebastian und andere Freunde zusammen, es wurde geredet, gelacht, gegessen. Eigentlich alles ganz normal.
Ich war derweil bei einem Termin mit einer Frau, nach der ich ziemlich lange gesucht hatte. Sie sollte künftig die Verwaltung meines Unternehmens übernehmen. Wir verstanden uns gut, der Vertrag kam zustande – und ich merkte regelrecht körperlich, wie eine große, klebrige Last spürbar aus meinem Körper herausfloss.
Erleichterung.
Zur selben Zeit – wie ich später erfuhr – tauchte eine Frau am Blauen Haus auf.
Sie sagte, sie fühle sich von diesem Ort angezogen.
Meine Freunde erzählten ihr, dass ich später wiederkomme, und drückten ihr einen Flyer in die Hand.
Als ich wieder zurück war, kam sie an die Terrassentür.
Sie suchte für zwei weitere Tage eine Unterkunft, hatte aber eigentlich gar keinen konkreten Grund gehabt, gerade hierherzukommen. Sie habe sich einfach angezogen gefühlt.
Ein Zimmer konnte ich ihr leider nicht anbieten. Aber ich zeigte ihr unverbindlich das Haus.
Wir kamen ins Gespräch. Über Rückzug. Über Hochsensitivität. Darüber, wie anstrengend soziale Kontakte manchmal sein können und wie dringend ein Mensch gelegentlich einfach Ruhe braucht.
Und irgendwann dachte ich:
Das gibt's doch jetzt nicht.
Denn während sich gerade an einem ganz anderen Ort eine große Blockade aus meinem Leben löste, fand gleichzeitig ein Mensch genau den Ort, den sie offenbar gerade brauchte.
Später sprach ich mit Sebastian, der sichtlich beeindruckt war.
Aber er stellte eine viel interessantere Frage als:
„War das Zufall?“
Er fragte:
Was passiert eigentlich vorher?
Ich verstand erst nciht ganz ... Er fragte weiter:
Was muss geschehen, bevor solche Dinge gleichzeitig passieren?
Was hat diese Frau in den Tagen, Wochen oder Monaten zuvor erlebt, dass sie sich ausgerechnet zu diesem Ort hingezogen fühlte?
Und was habe ich vorher getan – oder vielleicht auch nicht getan –, damit ich auch genau in diesem Moment dort sein konnte?
Ich weiß es nicht.
Ich glaube nur, dass man irgendwann im Leben ein Gefühl dafür entwickelt.
Man tut nicht unbedingt mehr oder etwas anderes.
Man plant nichts. ODer zumindest nicht alles
Man wird vielleicht einfach aufmerksamer.
Wacher für das, was gerade geschieht.
Und manchmal merkt man dann: Es gibt Momente, in denen man nicht mehr so genau sagen kann, wer hier eigentlich wen gefunden hat.
Vielleicht hat die Frau das Blaue Haus gefunden.
Vielleicht hat das Blaue Haus sie gefunden.
Vielleicht haben wir uns auch einfach gegenseitig zur richtigen Zeit gebraucht.
Ich finde, man muss das gar nicht erklären.
Vielleicht reicht es manchmal, aufmerksam genug zu sein, um es überhaupt zu bemerken.
Und es dann einfach zu genießen, wenn das Leben so wunderbar schlecht darin ist, sich an unsere Vorstellungen und Pläne zu halten.

